20 Jahre Diplomarbeit
Rund ein Jahr untersuchte ich die Besiedlung der dort ausgestellten historischen Gebäude durch Wildbienen und Wespen. Viele Arten dieser Tiergruppe, die man auch als Stechimmen bezeichnet, bauen ihre Nester in Hohlräume in Lehmwänden, Totholz und Pflanzenhalmen, ein Materialmix, wie er für traditionelle Bauernhäuser mit Lehmfachwerk und Reetdach typisch ist. Sollte ein Museum, in dem solche Häuser zusammengetragen und erhalten werden, ein "Hotspot" für diese heimlichen Untermieter sein? Bei der Auswertung meiner Befunde griff ich auch auf naturkundliche Berichte aus dem 19. Jahrhundert zurück.
Das beeindruckende Resultat: Insgesamt 76 verschieden Bienen- und Wespen-Arten nisteten an die Häusern. Außerdem zeigte sich, dass Freilichtmuseen wohl nicht nur im Hinblick auf Siedlungsformen und Gebäudetypen „Fenster in die Vergangenheit“ sind. Das Detmolder Museum weis auch hinsichtlich der Stechimmen einige signifikante Unterschiede zur heute Siedlungsfauna auf, die schon von über hundert Jahren in der einschlägigen Literatur beschrieben wurden. So gibt es auf dem Museumsgelände z.B. eine außergewöhnlich große Population der Scherenbiene Chelostoma florisomne. Allein an einem Haus schlüpften im Traufbereich in den Monaten Mai und Juni nach meinen Hochrechnungen 8000 Scherenbienen. Die Museumsbesucher können während dieser Phase völlig gefahrlos hunderte Weibchen dieser "Solitärbiene" dabei beobachten, wie sie in den Schilfhalmen an den Traufen der Reetdächer ihre Nester anlegen und diese mit Hahnenfuß-Pollen als Proviant für ihre Larven bestücken. Einen besseren Ort zur Vermittlung der Nistbiologie einer Solitärbiene kann man sich kaum vorstellen.
Das Freilichtmuseum habe ich – abseits all des Trubels – auch als Ort der Inspiration in Erinnerung. Man hat es sonst nur selten so deutlich vor Augen, woher wir kommen und wie tiefgreifend sich unsere Welt innerhalb von einigen Generationen verändert hat. Schauen Sie doch dort vorbei, wenn Sie in Ostwestfalen-Lippe sind – es lohnt sich.