Angesichts der Aufgabenfülle in unserem kleinen Grafikteam hatte ich diese Aufstockung schon vor zwei Jahren angeregt. Vermutlich hätte ich damals schon eine Vollzeitstelle haben können, wenn ich dazu bereit gewesen wäre, die zusätzlichen Stunden auch im Betrieb zu erbringen. Das wollte ich jedoch nicht. Unsere Kinder sind für ihr Alter sehr selbstständig und vernünftig, aber ohne elterliche Unterstützung geht es nachmittags noch nicht. Die Verlockungen der Medienwelt sind sehr präsent, darüber werden die schulischen und andere Pflichten schnell vergessen. Deshalb wollte ich das zusätzliche Pensum im Homeoffice aufstocken. Im Sommer 2018 wurde mein Antrag schließlich abgelehnt.
Als Alternative blieb nur, selbst flexibel nach einer Lösung zu suchen. Wer mit dem Arbeitsende festgelegt ist, kann nur in den Morgenstunden draufpacken. Also stehe ich jetzt an meinen Arbeitstagen morgens um 5:20 Uhr auf.
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen fällt mein Fazit nach sieben Jahren Teilzeittätigkeit zwiespältig aus. Die Nachteile für den Beruf sind gravierend. Teilzeitkräfte bekommen weniger anspruchsvolle Aufgaben und werden seltener befördert. Der Stressfaktor ist dennoch hoch, die Abhängigkeit von den Entscheidungen anderer ebenso. Auf der Prioritätenliste der Vorgesetzten rutscht man schnell nach unten, Entscheidungen können sich hinziehen. Flexible Lösungen wie Homeoffice, die eine wichtige Rolle bei den Schritten zurück zur Vollzeit spielen, bleiben unkalkulierbar – was in einer Abteilung problemlos möglich ist, geht in einer anderen im selben Unternehmen prinzipiell nicht.
Teilzeit-arbeitende Männer kämpfen mit speziellen Problemen. Männliche Kollegen reagieren pikiert, wenn man trotz dringender Aufgaben die Firma zu einem Zeitpunkt verlässt, an dem sie selbst noch Stunden im Büro vor sich haben. Kolleginnen wollen ob der Erfahrungen mit dem eigenen Partner nicht glauben, dass man zu Hause tatsächlich die Wäsche macht und den Wochenendeinkauf erledigt. Der Nachbar fragt neugierig, ob man heute zum Küchendienst eingeteilt sei.
Männer, die sich gleichwertig um die Familie kümmern, sind auch heute noch Exoten. Ihr Spagat zwischen Erwerbs- und Erziehungsarbeit löst mehr Irritationen aus, als ich dachte. Und: in manchen Situationen, in denen Frauen selbstverständlich auf Verständnis bauen können, bleibt ihnen die Unterstützung versagt.
Wird sich an diesen grundsätzlichen Problemen etwas geändert haben, wenn meine Jungs einmal selbst Väter sind? Werden sie in eine Arbeitswelt hineinwachsen, in der sich Familie und Beruf besser unter einen Hut bekommen lassen? Und was werde ich ihnen raten, wenn sie selbst vor der Entscheidung stehen, ob sie der Familie wegen in Teilzeit arbeiten wollen?