16. Oktober 2015

Mensaaufsicht: Eltern-Engagement und Solidarität


Heute habe ich eineinhalb Stunden Aufsichtsdienst in der Mensa der Schule unserer Kinder gemacht. Als vor Jahren in der Schulkonferenz über die Einrichtung einer Mensa beraten wurde, haben sich die Eltern grundsätzlich dazu verpflichtet, das Projekt durch solche Aufsichtsdienste zu unterstützen. An den Öffnungstagen sollen immer zwei Eltern anwesend sein, um bei Streitereien oder anderen Problemen eingreifen zu können. Da meine Kinder die Mensa nutzen, bringe mich hier gern ein. Manche Eltern, die darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder dort versorgt werden, können das aus beruflichen Gründen nicht. Es beteiligen sich auch Eltern, deren Kinder nicht in der Mensa essen, sondern zu Hause. 

Unsere Schulen sind vielfach auf die tätige Mithilfe der Eltern angewiesen. Besuche von Zoos und Theateraufführungen, Termine bei Verkehrsschulen und Wandertage könnten ohne ihren Einsatz als Aufsichtpersonen oft nicht stattfinden. Eltern renovieren Klassenzimmer und unterstützen Anschaffungen mit Verkaufsaktionen bei Schulfesten und Elternabenden. Sie bereiten die Klassenpflegschafts-Treffen vor, informieren per Email über aktuelle Entwicklungen, fördern das Klassenklima durch kreativen Input für Feiern und Feste und organisieren kleine Aufmerksamkeiten für die KlassenlehrerInnen.

Natürlich sind es überwiegend Frauen, insbesondere Vollzeitmütter, die durch ihr Engagement die vielen Extras ermöglichen, die das Schulleben bereichern. Berufstätige müssen oft passen, weil die Termine während ihrer Arbeitszeit liegen. Ich finde es unfair, dass dieser Aspekt in der öffentlichen, sehr auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fixierten Diskussion um Familienförderung gern unterschlagen wird. Schließlich profitieren alle auch davon, dass manche nicht erwerbstätig sind und flexibel solche Aufgaben  übernehmen können. Gerade wir berufstätigen Eltern sollten das, wann immer gesellschaftliche Nutzen von Hausfrauen und -männern in Zweifel gezogen wird, auch deutlich sagen.

Der Blogeintrag „A Letter from a Working Mother to a Stay-At-Home-Mother, and Vice-Versa“ von Carolyn Ee und die dadurch angestoßene Debatte lenken den Blick auf das, was wirklich gefragt ist: Solidarität und Toleranz auf dem Weg zu einer kinderfreundlicheren und gleichberechtigteren Gesellschaft, nicht unproduktiver Streit um das richtige Lebensmodell.